Lieferantenqualifizierung im Anlagenbau

Wer baut meine GMP-konforme Produktionsanlage?

Wenn eine pharmazeutische Entwicklung (Investigational Medicinal Products, IMPs) aus Laborversuchen in die Produktion wechselt, muss das Medikament oder der Wirkstoff für die klinischen Studien bereits nach GMP-Richtlinien hergestellt sein. Dafür benötigt es zunächst eine GMP-konforme Anlage, damit für die klinischen Tests produziert werden kann. Wenn diese nicht vorhanden ist, muss sie gebaut werden. Nur von wem, ist die Frage. Und wie erkennt der Entwickler einen geeigneten Anlagenbauer?

Ein neues Produkt beginnt immer in der Entwicklung und ist vorerst noch nicht käuflich. Damit es irgendwann in eine kommerzielle Herstellung und damit auf den freien Markt gelangen kann, sind vorab klinische Studien unerlässlich. Hierfür ist Testmaterial notwendig, das bereits nach pharmazeutischem Recht, also GMP-konform, hergestellt wurde. Medikamentenentwickler sind jedoch selten nebenberuflich Anlagenbauer – ein externer Dienstleister muss also her, der die Fabrik nach den gewünschten Produktionsvoraussetzungen baut. In einer so frühen Phase – der geplanten Produktion – sind über das pharmazeutische Produkt (IMP) jedoch nur wenige Daten bekannt. Wie es sich in der Herstellung selbst verhalten wird, kann nur vermutet werden.

Entwickler wissen häufig nicht, auf welche Feinheiten es bei der späteren Anlage ankommt. Bei temperaturempfindlichen Stoffen kann vorab auch unklar sein, in welcher Umgebung das Produkt wie lange in der Fabrik bestehen kann. Daraus lässt sich nur schwer ableiten, wie die Anlage auszusehen hat, um eine effektive Produktion zu ermöglichen. Ist das Produkt aber beispielsweise toxisch, steht von vornherein fest, dass eine Einhausung unerlässlich ist,  um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Dreiecksbeziehung: Entwickler – Experte – Erbauer

Die Verantwortlichen für das herzustellende Produkt sind meist auch keine Experten für GMP-Konformität. Also sind „Dreiecksbeziehungen“ üblich, in denen sich der Entwickler mit externen Beraterfirmen zusammentut und deren Rat einholt. Diese finden dann den richtigen Anlagenbauer. Sie  konzeptionieren aber auch die Anlage soweit, dass das Bauunternehmen nur noch die Pläne in die Wirklichkeit umsetzen muss. Die Konzeptplanung erfolgt auf Erfahrungswerten und durch die Branchenkompetenz der Berater, die den gesamten Prozess betrachten: Wie viel Platz wird benötigt, wie muss die Umgebungsperipherie aufgebaut sein, wo werden Schleusen, Wände sowie Einhausungen benötigt, wo laufen die wichtigen Rohrsysteme für Wasser, etc.?

Gemeinsam definieren Experten mit den Entwicklern ein klares Konzept. Dabei stehen zwei Ziele gleichbedeutend nebeneinander:

  • Welche Regularien sind anwendbar und was heisst das konkret für das Projekt?
  • Welche Kriterien gelten speziell für das Anlagedesign und den Anlagebau?

Dabei werden wichtige Grundlagen für das Projekt gelegt und folgende Fragen beantwortet:

  • Was sind die kritischen Prozess-Schritte?
  • Wo wird zusätzliches fachliches Know-How benötigt?
  • Welche Maßnahmen sind zu ergreifen?

Ebenso wichtig wie die Auswahl des geeigneten Anlagenbauers ist die Überprüfung aller Zulieferer, da sämtliche Bauteile der Produktionsanlage den Richtlinien entsprechen müssen. Hier ist es wichtig, zu überblicken, woher die Bauteile stammen – nicht, dass am Ende zwar eine schicke Hülle dasteht, aber das Innenleben nicht gut zu reinigen ist oder andere Mängel aufweist, die später das Produkt negativ beeinflussen.

Wie viel kostet es, den geeigneten Anlagenbauer zu finden?

Am Ende ist alles eine Frage der Kosten. Die Investoren wollen klare Zahlen. Pauschal lässt sich aber nicht sagen, was eine kommerzielle Anlage nach pharmazeutischem Recht kostet. Das hängt von vielen Faktoren ab. Angefangen damit, dass nicht viel Zeit und Aufwand in die Evaluation potentieller Anlagenbauer fließen muss, sondern Experten hier beratend zur Seite stehen. Es ist in der pharmazeutischen Industrie nämlich nicht zwingend erforderlich, einen Anlagenbauer mit GMP-Erfahrung zu wählen. Theoretisch kann jedes Bauunternehmen eine GMP-konforme Produktionsfabrik liefern. Doch es kann im schlimmsten Fall teuer werden, wenn an vielen kritischen Stellen aufwändig nachjustiert werden muss. Daher ist es empfehlenswert, von vornherein branchenerfahrene Partner zu wählen, die die infrage kommenden Anlagenbauer prüfen, eventuell vorhandene Lücken herausarbeiten, die bestehenden Probleme auflisten und Gegenmaßnahmen vorschlagen, damit alles nach pharmazeutischem Recht passt. Zudem können Fachexperten einschätzen, wie umfangreich die geplante Anlage sein muss. Je mehr Detailtiefe gegeben ist, desto genauer die Kosteneinschätzung.

Um einen geeigneten Anlagenbauer zu finden, nutzen die Experten gewisse Maßnahmenkataloge, nach denen die Bauteile und damit auch die Anbieter evaluiert werden können. Daran wird bemessen, was ggf. noch fehlt oder woran zu arbeiten ist. Ganz unbürokratisch wird beurteilt, ob der Anlagebauer die Anforderungen für eine konforme Pharmaproduktion erfüllt. Solche Dokumente in Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Regularien lassen sich flexibel auf das produzierende Unternehmen abstimmen.

Einen groben Überblick über die Vorgehensweise erhalten Sie anhand dieser Übersichtsliste:

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